Bo Odenthal

Laudatio zu der Ausstellung „Zeitkugeln“ von Bo Odenthal am 12.01.12

Für die Künstlerin, die ihren Weg auf der Düsseldorfer Kunstakademie begann und heute neben dem eigenen Ausdruck selbst Zeichnen und Malen unterrichtet, spielen  Begriffe wie die Zeit, die Bewegung, die Räumlichkeit und die Figur schon immer eine große Rolle und sie hat sich auch schon in ihren Performances bis 2001 damit auseinander gesetzt. Diese Dreidimensionalität der Performance transportiert sie jetzt als Malerin auf ihre Bilder, die durch die Übermalung der Kanten und den fehlenden Rahmen in den Raum hinein reichen.

Bo Odenthal sagt über sich und ihre Arbeiten: „Ich male Energien - und ich male mit Energien.“

Und genau diese Energien werden im malerischen Prozess sichtbar gemacht. Die kraftvolle Dynamik fließt so direkt auf die Leinwand und über diese hinaus. Jenseits der Gesetze von Gegenständlichkeit und Perspektive wird die Räumlichkeit durch vibrierende Farbräume erzeugt. Die Flächen und Linien rufen einen Eindruck von spontan Angedeutetem hervor und lassen so der Assoziation des Betrachters freien Raum. Die Szenerien erscheinen unkonkret. Ebenen, Auf- und Aussichten bleiben unklar.

Natürlich spielt neben literarischen Quellen wie die verlorene Zeit von Marcel Proust auch die Esoterik eine große Rolle bei der Auseinandersetzung. Die Künstlerin sagte mir in diesem Zusammenhang und das fand ich besonders interessant, dass es auf bestimmte Bereiche des Lebens keine Antworten gibt und wir auch nie welche finden werden, dennoch setzen wir uns immer wieder damit auseinander. Und genau mit diesem Umstand beschäftigt sich ihre Kunst. Sie gibt uns damit zwar auch keine Antworten, regt uns aber zum Nachdenken an und gibt uns Impulse.

Die Zeitkugeln bewegen sich auch in dem Kontext der Esoterik, aber das Motiv und die Bilder sind viel freier zu betrachten. Die Zeitkugeln können die Zeit verlangsamen oder beschleunigen.

Die Kugel mit ihrer ursprünglichen Form hat zudem keinen Anfang und kein Ende und ist somit ein sehr gutes Symbol für die Zeit, da auch ihr Anfang und erst recht das Ende nicht zu greifen ist.

Obwohl Frau Odenthal sich gerade mit dieser Thematik auseinandersetzt, spielt die Zeit während des Malprozesses überhaupt keine Rolle. Sie scheint still zu stehen, da man sich nicht mehr zu sehr mit ihrem Verstreichen beschäftigt, fast so wie bei den Zeitkugeln. Mal entsteht etwas sehr schnell und mal dauert es bis der Prozess abgeschlossen ist und die Künstlerin setzt sich erneut an die Leinwand.

Text: Julia Köster M.A.